Sostis, der gute Geist vom Vulkan Palia Kameni ist tot :-(

Nachruf auf einen besonderen Menschen - Sostis Arvanitis
Wie oft saßen wir am Strand von Balos und warteten auf das kleine Zeichen zwischen den Inseln Palea Kameni und Nea Kameni. Früh am Morgen waren wir mit unserer kleinen Gruppe meist die einzigen Menschen dort. Dann erschien in der Ferne ein winziger roter Punkt, der langsam größer wurde – das kleine orangerote Boot von Kapitän Sostis Arvanitis war unterwegs.
Wenn er an seinem provisorischen Steg anlegte, begann jedes Mal eine unvergessliche Fahrt zu den Vulkaninseln. Auf dem Boot erzählte uns Sostis seine fantasievollen Geschichten und sprach von seinem früheren Leben als Matrose. Es war keine leichte Zeit für ihn – eine harte Epoche, die ihn sein ganzes Leben begleitete. Schließlich entschied er sich, auf der kleinen Insel Palea Kameni zu leben – ein Privileg, das ihm sogar durch ein Dekret des griechischen Präsidenten gewährt wurde.
Mit ihm erreichten wir stets die jüngste Vulkaninsel, Nea Kameni, lange bevor die großen Touristenboote ankamen. Wir konnten die Kraterlandschaft in Ruhe erleben, und Tom und ich erklärten unseren Gästen die Geheimnisse des Vulkans. Währenddessen wartete Sostis geduldig unten in der Erinia-Bucht auf uns.
Später brachte er uns in einen kleinen Fjord an der Nordküste von Nea Kameni, wo warme Quellen aus den Felsen flossen – ein Bad dort war immer ein Geschenk. Viele von uns rieben sich mit dem schwefelhaltigen, heilkräftigen Schlamm ein. Danach fuhren wir weiter zu seiner Heimatinsel Palea Kameni, wo uns schon sein treuer Schäferhund Platon am kleinen Naturhafen begrüßte.
Mit der Gruppe wanderten wir hinauf zum Hochplateau der Insel, wo wir seltene Mineralien fanden. Ab und zu liefen uns seine Ziegen oder Schweine über den Weg. Sostis lebte dort als Selbstversorger in völliger Einsamkeit – nur hin und wieder unterbrochen durch Touristenschiffe, die für wenige Minuten Besucher ausspuckten, die zu den heißen Quellen schwammen.
Für uns war die Bootstour mit Sostis immer ein Luxus – nicht im materiellen Sinn, sondern durch die Echtheit dieses Erlebnisses. Unser Ziel war stets die kleine Bucht mit den Thermalquellen, wo Sostis eine Veranda gebaut hatte. Dort hielten wir unser Picknick ab: Sostis brachte selbst gemachten Ziegenkäse und süßen Likörwein aus Akrotiri, wir steuerten Tomaten, Brot, Olivenöl und frischen Tabak bei.
Mit dem kleinen Verdienst verwandelte er seine karge, vulkanische Insel in ein kleines Paradies mit Gärten, Steinhäuschen und sicheren Pfaden. Bei ihm durften wir immer bleiben, solange wir wollten.
Sostis war ein lieber, gastfreundlicher, einfacher Mensch – einer jener Menschen, die auf Santorin immer seltener werden. Reich wurde er nie, doch er besaß etwas Kostbareres: Würde, Bescheidenheit und eine tiefe Verbundenheit mit seiner Insel.
Vor einigen Jahren zwang ihn sein schwaches Herz, Palea Kameni zu verlassen. Er verbrachte seine letzten Jahre in Akrotiri.
Sostis Arvanitis war ein stiller Schatz von Santorin – ein Mensch, der uns fehlen wird.
Unsere Erinnerungen und Fotos werden für immer mit Palea Kameni verbunden bleiben – und mit der einzigartigen Persönlichkeit von Sostis.
Ich wünsche ihm ein schönes Paradies.
